Wir bleiben daheim… und machen Schule

Selbst im Traum wäre ich nicht darauf gekommen, dass meine Kinder eines Tages erneut Unterricht daheim haben könnten. Und diesmal brach es noch plötzlicher über uns herein, als damals auf Sansibar.

Wie weit man das nun als „Homeschooling“ bezeichnen kann, was wir seit über einem Monat betreiben, mag umstritten sein. Und wenn man sich im Internet so umhört, wird derzeit ziemlich viel über dieses umfangreiche Thema diskutiert, geschimpft, gestöhnt und was weiß ich noch alles. Deshalb will ich meine Gedanken hier nicht weiter ausschweifen lassen.

Fakt ist, dass alle fünf Schulkinder seit Mitte März keinen Unterricht an ihren jeweiligen Schulen mehr hatten.

Fakt ist, dass derzeit weder Klassenarbeiten oder Tests geschrieben noch irgendwelche Referate gehalten werden können.

Fakt ist, dass bis auf weiteres alle außerschulischen Aktionen abgesagt wurden… was einen Teil meiner Kinder echt hart getroffen hat. Nasya hätte zum Schuljahrsende nämlich an einer 10 tägigen Alpenüberquerung teilgenommen, auf die sie sich schon riesig gefreut hat.

Fakt ist, dass die Kinder momentan fast ausschließlich als Autodidakt unterwegs sein müssen – ob es ihnen nun Spaß bereitet oder eher Bauchschmerzen hervorruft. Ich würde sagen, wir sind da gut in der Mitte, denn alle sind sich inzwischen einige, dass sie lieber wieder ihren normalen Schulalltag zurück haben würden. Aber zugleich gab es bislang nicht zu viele Klagen und zu großen Unmut über den Status Quo. Sie schlagen sich wirklich tapfer und ich bin stolz auf sie!

Wir haben von Anfang an versucht, eine gewisse Grundstruktur zu schaffen, damit wir nicht völlig planlos durch die Woche triften. Inzwischen kann ich sagen, dass jedes Kind seinen Weg gesucht und (die meiste Zeit zumindest) für sich auch gefunden hat. Dieser Weg ist allerdings nicht asphaltiert, sondern gleicht eher einem gut eingelaufenen Trampelpfad, den man bei Bedarf gerne mal für eine Abkürzung oder einen Umweg verlassen kann, ohne dass man sofort die Orientierung verliert.

Während ein Teil versucht, sich vollständig nach dem täglichen Angebot zu richten, bevorzugen andere eher das Arbeiten nach Stundeplan. Das funktioniert vor allem dann gut, wenn die Lehrer ihre Aufgaben zeitnah zum einst vorhandenen Stundenplan versenden. Viele Lehrkräfte sind inzwischen aber dazu übergegangen, pünktlich zum Wochenbeginn die Aufgaben für die gesamte Woche zu mailen bzw. auf den Schulserver zu laden. Und dann können die Kinder selbst entscheiden, wann sie was bearbeiten.

Vereinzelt finden so eine Art Blogunterricht statt, weil gewisse Projekte viel Zeit einfordern und einem der Abgabetermin im Nacken sitzt. So ging es Romy in der vergangenen Woche mit ihrem NWT Projekt. Sie hat unzählige Stunden in den Bau dieses kleinen Mini-Roboters investiert. Dann noch programmieren, Testläufe machen, Fehler finden und ausbessern, wieder Testläufe durchführen, die technischen Zeichnungen anfertigen, einen ausführlichen Projektbericht verfassen… Da muss dann manch anderer Schulkram einfach mal warten. Und diese Freiheit hat durchaus seine Vorteile.

Nach den Osterferien haben einige Schulen auf schulinterne Netzwerkmodule umgestellt, worüber inzwischen der Hauptteil der Korrespondenz zwischen den Lehrern und Schülern abläuft. Das verschafft meinem E-mail-Postfach eine ganz wesentliche Entlastung!

Und dann gibt es noch einige Lehrer, die fleißig mit Online-Unterricht am Start sind. Bis zum jetzigen Zeitpunkt, nach vier Wochen Schule daheim, hatten tatsächlich schon alle vier Kinder Unterricht übers Web. Am umfangreichsten war es bei Nasya. Die restlichen drei hatten nur vereinzelte Treffen mit kurzem Austausch übers Internet. Und so richtigen Unterricht fand bei Joel und Annelie bislang noch nicht auf diesem Weg statt.

Und dann ist da ja noch unser Josia. Auch er kam an seinem letzten Schultag mit all seinen Ordnern und einem dicken Briefumschlag mit unzähligen Arbeitsblättern nach Hause. An manchen Tagen konnte ich ihn dafür begeistern, die ein oder andere Aufgabe zu bearbeiten. Aber oft lag der Schulranzen völlig unbeachtet in der Ecke.

Als nach Ostern klar wurde, dass es auch nach den Ferien bis auf weiteres keinen normalen Schulbetrieb geben wird, kamen die ersten kurzen Lehrvideos von seinen zwei Hauptlehrkräften. Und das fand Josia so richtig klasse! Er hat sich so darüber gefreut, diese vertrauten Gesichter und sein Klassenzimmer zu sehen. Seit diesem Zeitpunkt will er wirklich jeden Tag Schule machen. Und so hat sich nun auch hier eine gewisse Routine gefunden. Wir schauen gemeinsam die Videos an und anschließend macht er seine Aufgaben dazu. Wenn es ausschließlich nach seinem Plan gehen würde, dann könnten wir das in der Endlosschleife machen. Und zwar bevorzugt mit seiner Auswahl an Musikvideos.

Ach ja, und zwischendurch versuchen wir den Sport nicht zu kurz kommen zu lassen. Es gibt wirklich tolle Angebote im Internet. Selbst Josia und Ben sind voller Begeisterung dabei. Nur mit dem Platz wird´s bei manchen Übungen etwas grenzwertig.

Und nun heißt es weiter abwarten und die gute Laune nicht verlieren, denn ein Ende dieses Ausnahmezustandes ist bisher noch nicht in Sicht. Dafür aber jede Menge kreative Wege und Möglichkeiten zum Lernen.

Ich hatte ja schon erzählt, dass Joel in den vergangenen Wochen viele Stunden in sein neues Hobby „Zeichnen“ investiert hat. Wenn er die Zeichnungen fertig hat, gibt er sie an Jess weiter, die sie mit Farbe füllt.

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