Kindermund

Auch für diese Kategorie hat sich in den vergangenen Monaten wieder ein bisschen was angesammelt. Immer wieder bedaure ich es, dass eine Vielzahl an lustigen Alltagsmomenten vom Sog des Vergessens erfasst wird, ehe ich die Gelegenheit finde, sie aufzuschreiben. Vielleicht geht es ja nur mir so, dass ich diese besonderen Momente, in denen unbedacht dahingesagte Worte, witzige Versprecher oder das Zusammenspiel von Wort und Aktion bei den Anwesenden ein herzhaftes Lachen hervorbringt – oder zumindest ein breites Grinsen, viel zu leicht wieder vergessen habe.

Aber zum Glück schafft es ein klein wenig davon bis hier her. In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen! Und hoffentlich schwingt ein bisschen Lachen über.

Auch Benjamin ist inzwischen so weit, dass ich hier erste Anekdoten von ihm erzählen kann. Er ist mit seinen 18 Monaten (Frühjahr ´20) ein richtiger Papagei und versucht wirklich alles nachzusprechen, was er so hört. Aber er weiß auch schon viele Dinge, die er dann ganz eigenständig einbringt. So hatte er neulich ein kleines, stehendes Schäfchen aus dem Ü-Ei in der Hand. Er zeigte mit seinem Finger auf dessen Bauch und kommentierte: „Oh, dicke Bau (dicker Bauch).“ Dann drehte er das Tierchen um, zeigte auf sein kleines Stummelschwänzchen und sagt: „Oh, Pipi.“

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Wir sind im Auto unterwegs. Als ich einen Radfahrer überhole, erkläre ich Nasya, dass es diesbezüglich seit Ende April einige Neuerungen gibt. Ich: „Wenn man nun einen Radfahrer überholt, muss man mindestens 1,5m Abstand halten. Außerhalb der Ortschaft sogar bis zu 2m.“ Nasya denkt nach und meint dann ungläubig: „Aber wieso das denn? Ist das nicht ein bisschen übertrieben jetzt? Als ob man sich beim nur Vorbeifahren irgendwie anstecken könnte!“ Ich: „Hihi, also der Abstand ist ganz unabhängig von Corona eingeführt worden und hat nichts damit zu tun. Es geht einfach um mehr Sicherheit für Radfahrer.“

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Ich bin gerade fertig mit Klo putzen als Ben dazu kommt. Er zeigt auf die Spülung und fordert: „Ich au dücken!“ Ich lasse ihn einmal kurz drücken, er bestaunt das fließende Wasser und zeigt dann auf die Klobürste: „Ich rüen!“ (rühren) Aber diesen Wunsch bekommt er nicht erfüllt.

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Ha-Di schaut auf seinem Laptop einen Kriegsfilm an. Joel kommt vorbei und schaut interessiert über Ha-Dis Schulter. Joel kommentiert fachkundig: „Ach, sind das nun die Urinbomben?“ – und meinte eigentlich Uranbomben.

Das Abendessen ist gerade fertig und ich bin in der Küche am Aufräumen. Nasya hilft beim Tischabräumen. Da fällt mir ein, dass wir noch einen Rest vom Mittagessen übrig haben, denn ich eigentlich Nasya und Josia warmmachen wollte. Sie waren heute zusammen mit zwei von Nasyas Schulfreundinnen im Zoo gewesen. Im Chaos der Essensvorbereitung hatte ich diesen Part völlig vergessen. Ich frage Nasya: „Oder hast Du noch Hunger und würdest es gerne noch essen?“ Sie will wissen, was es denn überhaupt gegeben hat. Ich: „Spätzle und Würstle-Gulasch.“ Joel, der gerade erst mit Abendessen angefangen hat (wegen Fußballtraining) meldet sich zu Wort: „Oh, aber ich will das gerne noch essen!“ Ich entgegne: „Aber Du hattest doch heute ein Mittagessen bei deinem Freund, oder etwa nicht?“ Er denkt kurz nach. Ich frage weiter: „Was gab es denn zum Essen bei Euch?“ Joel: „Kartoffeln und Spinat.“ Ich: „Na also, das ist doch ein Mittagessen.“ Joel plump: „Ja, aber das war irgendwie nicht mehr so warm.“

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Ich trage seit langem mal wieder Ohrringe. Als Ben sie entdeckt zeigt er mit seinem Fingerchen darauf und sagt freudig überrascht: „Oh, Be-e!“ Ganz daneben ist es nicht, denn die kleinen roten Kugeln zeigen tatsächlich eine gewisse Affinität zu Johannisbeeren.

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Wir sind in der Küche und bereiten das Mittagessen vor. Josia hat sich einen Stuhl geholt und schaut zu. Ich schneide die Maultaschen für den Auflauf. Er schnappt sich ein Stück und schiebt es in den Mund. Ich: „Josia, du sollst das nicht essen. Das muss doch erst noch gekocht werden.“ Er schaut mich etwas ungläubig an und möchte sich erneut ein Stück mopsen. Ich sage deutlich NEIN, woraufhin er sich dann mit dem Schichten der Schnittstücke befasst. Fein säuberlich legt er die Maultaschenstücke in die Form. Jedes Mal, wenn ich die nächste Ladung Schnittstücke in die Form kippe ist Josia kurz ein bisschen gestresst und versucht dann wieder alles ordentlich zu verteilen. Als er dabei eine halbe Scheibe findet hält er diese vor mich hin und sagt: „Oh, babut (kaputt)!“ und mit fragendem Unterton folgt: „essen?“ Ich antworte: „Nein, auch das sollst Du nicht essen. Wir müssen alles erst kochen!“ Josia enttäuscht: „Oh.“

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Nasya kümmert sich in den Sommerferien für eine Woche um die Kaninchen ihrer Freundin. Da sie am anderen Stadtende wohnt, fährt sie immer mit dem Rad. Am ersten Morgen nimmt sie Josia mit zur Häschen-Fütterung. Als die beiden zurück kommen, geht Nasya zum Händewäschen ins Bad und Josia scheint schon wieder verschwunden zu sein. Ich frage Nasya: „Weißt Du, wo Josia hin ist?“ Nasya antwortet: „Ich glaub der ist hoch!“ Ha-Di befindet sich zu diesem Zeitpunkt mit Ben in der Küche und ruft auf Nasyas Ausspruch hin erschrocken: „Was! Der Hase ist tot!?“

Ich unterhalte mich mit Joel über seine neue Schule. Er beklagt sich, dass er nun gar keine Zeit mehr hat, weil er ja so lange mit dem Zug fahren muss usw. Ich verweise auf Annelie und die Tatsache, dass sie ja noch viel weniger Zeit hat, weil sie ja vier Mal in der Woche erst kurz nach 16.30 Uhr nach Hause kommt. Joel kontert: „Ja, aber die ist auch kein so ein Mitmensch wie ich.“

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Ich bereite das Mittagessen vor, während Ben neben mir auf der Arbeitsfläche sitzt und mithelfen will. Er hantiert mit dem Schaber und schlägt ihn ganz nebenbei gegen meinen Ellenbogen. Ich beschwere mich: „Ben, das tut weh!“ Er schaut mich an und entgegnet: „Oh, sorry Mama.“

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Benjamin hat geduscht und Romy möchte ihn in sein Handtuch einwickeln. Er schüttelt den Kopf, zeigt auf seinen Bademantel und sagt: „Nein, so süüß a-ziehe.“ – da alle immer sagen, dass er so süß in seinem Bademantel aussieht. Tja, wo er recht hat 🙂

Wir sitzen am Tisch und es gibt Abendessen. Romy zu Joel, der sich gerade ein Butterbrot schmiert: „Alter, so viel Butter!“ Joel antwortet: „Ja, wenn ich mehr Fett als Kalorien esse, dann werde ich schlank.“ Ich entgegne: „Also Fett hat auch Kalorien. Du meinst wohl Kohlenhydrate.“ Joel: „Ach ja, das war´s.“

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Annelie kommt von einem Treffen im Cafe zurück und berichtet: „Ich mag heiße Schokolade nicht so sehr. Die ist so trocken.“ Der Rest am Tisch schaut sie fragend an.

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Wir sitzen beim Essen und Joel macht sich Gedanken, zu welchem seiner Freunde er an diesem Nachmittag noch gehen kann. Hinsichtlich der Heimgeh-Zeit bewegt in dann folgende Frage: „Wann geht heute das Licht unter?“

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Benjamin ist schon immer ein sehr verschmustes Kind gewesen. Er kuschelt sehr sehr gerne. Aber leider kam es in letzter Zeit auch wieder ein paar Mal vor, dass er mich dabei einfach so gebissen hat. Neulich meinte er so zu mir: „Ich Mama essen!“ Dann hat er mich fest umarmt und geküsst, sich meine Finger geschnappt – die liebt er nämlich auch total – und sie in seinen Mund geschoben. Zum Glück hat er nur leicht darauf rumgekaut. Dann schaute er mich strahlend an und meinte: „Mhh, lecker!“

Man sagt vermutlich nicht umsonst >Ich hab dich zum Fressen gern<

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Es ist früh am Morgen. Ein Teil der Kinder sitzt beim Frühstück. Benjamin ist gerade aufgewacht und ich lege mich noch kurz zu ihm, da er morgens meistens erst ein paar Kuscheleinheiten benötigt, bevor er aufstehen möchte. Josia redet mit Romy über Ben und das er nun auch frühstücken kommt. Man versteht nicht zu viel von seinem Kauderwelsch, aber der Name Ben ist deutlich. Auch Ben scheint es gut verstanden zu haben, denn kaum ist sein Name gefallen kommt von ihm direkt ein Veto: „Nein, schläft noch!“

1 Kommentar

  1. danke Doro für diese herrlichen Anekdoten!!! Ich sehe dann die Kinder so richtig vor mir!

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