Blitzlicht Josia: Vom flinken Schuhdieb zum selbsternannten Tankwart

Die Freude war bei beiden Jungs groß, als Ha-Di beim Mittagessen verlauten ließ, dass er später mit ihnen zum Spielplatz nach Hausen fahren kann. Neben Trinken und ein bisschen Proviant wanderten selbstverständlich die Laufräder in den Kofferraum, und dem kleinen Ausflug stand nichts mehr im Weg.

Als die drei kurz vor 18 Uhr wieder nach Hause kamen, hat Ha-Di die Jungs nur schnell bei mir abgeladen und eine sofortige Kehrtwende gemacht, denn leider hatte er erst just in diesem Moment festgestellt, dass bei ihm im Auto ein unbekanntes Paar Schuhe lag. Wie das dahin gekommen war, weiß vermutlich nur Josia. Er brabbelte irgendwas vor sich hin, aber verstehen kann man ihn leider nicht immer. Vor allem nicht in dem Maß, wie es wünschenswert wäre.

Von uns waren diese Schuhe auf jeden Fall nicht und mit recht hoher Wahrscheinlichkeit waren sie auch nicht verwaist gewesen, denn dazu sahen sie viel zu neu aus.

Ich habe mich an die Vorbereitung des Abendessens gemacht, während die zwei Jungs noch vor der Haustüre rumhantierten und Ha-Di sich um die Zusammenführung von Schuh und Kind bemühte. Mein Mann hatte den Ort des Geschehens noch nicht einmal erreicht, als ihm eine Mutter mit sichtlich niedergeschlagenem Kind entgegenkam. Es war nicht zu übersehen, dass die Mutter sehr aufgebracht und wütend auf ihr Kind war, da ihre Tochter offensichtlich die relativ neuen Turnschuhe bei ihrem Spielplatzausflug irgendwie verschlampt hatte. Frau Mama konnte ja nicht erahnen, dass von töchterlicher Seite aus lediglich das Ausziehen der Schuhe als Grund zur Rüge vorgebracht werden konnte. Und für das, was daraus folgte, konnte das Kind absolut gar nichts.

Ich frage mich allerdings, wie Josia die Schuhe so ganz unbemerkt bis ins Auto mitnehmen konnte. Aber auch darauf wird sich in der Rückschau nun keine Antwort mehr finden lassen.

Mein Mann brachte mit seiner Lieferung zumindest Erleichterung für Mutter und Kind, eingebettet in einer kurzen Entschuldigung inklusive des Hinweises auf den B-Status unseres Sohnes. Also ich bin an diesem Punkt vor allem dankbar dafür, dass er die beiden überhaupt noch getroffen hatte und nicht zu spät dran war. Ja, das hätte nämlich alles auch anders laufen können.

Währenddessen herrschte bei uns daheim alles andere als Langeweile. Die Jungs wuselten vor dem Haus hin und her. Ben hatte sich seine kleine grüne Gießkanne geschnappt und war damit beschäftigt, die Felgen von dem Auto, welches zwecks Reparaturarbeiten in unserer Hofeinfahrt parkte, zu wässern. Mit viel Ausdauer pendelte er zwischen dem mit Wasser gefüllten Metalleimer und dem Auto hin und her. Ich konnte dieser Tätigkeit erst mal nichts Gefährliches beimessen, schließlich war es zu diesem Zeitpunkt noch warm genug, so dass das bisschen Wasser, welches sich zwischendurch mal auf Hose und Schuhen verirrte, kein wirkliches Problem darstellte.

Als ich nach ein paar Minuten meinen üblichen Kontrollrundgang machte, rührte Ben voller Schwung mit einem Stock im Wassereimer und die Putz- und Bewässerungsaufgabe schien inzwischen an Josia übergegangen zu sein. Dieser befand sich auf der anderen Seite des Autos. Also machte ich mich auf den Weg ums Auto, damit ich einen Blick auf seine Tätigkeit werfen konnte. Und genau in diesem Moment drückte er schnell die Klappe vom Tankdeckel zu. In seiner anderen Hand baumelte die grüne Gießkanne!

Das musste ich nun genauer unter die Lupe nehmen, denn seinen Gesten und Gesprächsfetzen nach zu urteilen, hatte er gerade das Auto „getankt“. Er öffnete die Klappe gleich nochmal und drehte mit geschickter Hand den Deckel vom Tank ab. Nass war es da auf jeden Fall ein wenig und für mich stand diesbezüglich nur noch die Frage im Raum, wie viel Wasser im Tank gelandet war, und nicht, ob überhaupt.

Inwieweit meine daraufhin folgende, sehr deutliche Ansage, dass er weder an diesem noch an sonst einem Tank etwas zu suchen geschweigedenn zu hantieren hatte, bei ihm ins Langzeitspeicher gelangt ist, bleibt leider fragwürdig… wie so vieles andere eben auch.

Ich war mit meiner Standpauke gerade durch, als Ha-Di nach Hause kam. Viel zu sagen gab es da nicht mehr. Aber immerhin war es eine kleine Gießkanne und das Auto ein Diesel; der verträgt das mit dem Wasser wohl besser als ein Benziner. Der Fachmann wird´ s schon wissen.

1 Kommentar

  1. Immer wieder interessant und für uns sehr erheiternd solche Berichte zu lesen!! Du hast eine einmalige Gabe für lebendige Beschreibungen!! Danke Doro

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