Blitzlicht Josia: Wir sind dann mal weg!

In der Regel nehme ich immer mein Rad plus Anhänger mit, wenn ich mit den Jungs in der näheren Umgebung unterwegs bin. Aber an diesem Freitagnachmittag habe ich mich ganz kurzfristig dazu entschieden, das Rad in der Garage zu lassen. Schließlich wollten die Jungs nur bis zum Spielplatz ganz in unserer Nähe. Und Josia hatte sogar sein Laufrad geschnappt und wollte ebenfalls fahren – das kommt zur Zeit nur noch äußerst selten vor.

Die beiden sind losgefahren und ich spazierte mit der Sandspielzeugtasche hinterher. Schon wenige Meter vom Haus entfernt gab es die erste Planänderung, denn die Jungs wollten lieber zum Fußballplatz, um Joel beim Training zuzuschauen. Kaum waren wir am Rasenplatz angekommen, hatte Josia die Lust darauf verloren. Er wollte nämlich auf den Fußballplatz. Und als ich ihm verkündet habe, dass wir nur von außerhalb des Gitters zuschauen können, fand er es nicht mehr interessant und wollte weiter.

Es erfolgte eine gekonnte Kehrtwende und die beiden sind zum Sportplatz geradelt; Ben in flottem Gang voraus. Ich lebte zu diesem Zeitpunkt noch in der Annahme, dass sie nur bis zum Basketballfeld oder zu einem der Spielplätze daneben radeln würden. Schließlich sind wir sehr oft dort. Aber als ich um die erste Ecke bog, sah ich in weiter Ferne gerade noch, wie Ben den Weg nach links unten eingeschlagen hat.

Josia war bis dato noch ein gutes Stück von ihm entfernt. Aber er blieb ihm auf den Versen und ist nicht zu einem der Stellen abgebogen, wo er sonst immer hinfährt, wenn er vorausfährt.

Ich habe also einen Zahn zugelegt und bin zusätzlich querfeldein gelaufen – Abkürzung! Aber leider waren sie auch nicht auf dem unteren der beiden Spielplätze zu sehen. Und so stand ich vor der nächsten Abzweigung und wusste nicht, ob ich nun weiter den Berg runter oder nach rechts gehen sollte. Den Weg bergab wählen wir definitiv öfter, denn hier geht es zum Spielplatz bei den Tennisplätzen bzw. zu den Enten – beides Ziele, die wir regelmäßig ansteuern. Aber manchmal fahren wir eben auch rechts entlang.

Ich entschied mich für runter. Während ich im zügigen Marsch weiterging, zerbrach ich mir nebenbei schon den Kopf, wo ich gegebenenfalls noch suchen sollte, falls sich herausstellt, dass sie nicht zum Spielplatz geradelt sind? Es gibt einfach viele Möglichkeiten und Abzweigungen auf dieser Strecke. Deshalb habe ich daheim angerufen, um gegebenenfalls Unterstützung von Seiten der großen Schwestern anzufordern.

Zum Glück konnte ich kurze Zeit später tatsächlich Entwarnung geben und Nasya musste nicht losradeln, da ich die beiden selig ins Spiel versunken auf dem Spielplatz vorgefunden habe. Sie hatten ihre Räder vorbildlich bei den Bänken geparkt, ihre Helme dazu gelegt und sich dann unter der Rutsche in das große Dreckloch verkrochen, wo sie ganz zufrieden vor sich hin gebuddelt haben.

Ich war froh und sauer zugleich! Und ich habe den beiden auch unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass es so nicht geht! Sie müssen warten, wenn sie mich nicht mehr sehen und nicht einfach weiterfahren. Da Ben voraus ist, hat er sich vermutlich die ganze Zeit betreut gefühlt, weil sein Bruder schließlich unmittelbar hinter ihm her kam. Und Josia fühlte sich dank Ben eben auch nicht allein.

Aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was sich die zwei gedacht haben. Wahrscheinlich überhaupt nichts, außer dass sie auf diesen einen Spielplatz gehen wollten, der vorab noch nicht einmal im Gespräch gewesen war!

Mit Spielen war dann nicht mehr viel, denn ich habe die beiden zum Heimweg verdonnert. Und sie sind sogar ohne großen Protest aufgestanden, zu ihren Rädern und gemeinsam mit mir Richtung Zuhause aufgebrochen. Das fand ich erstaunlich.

Josia war deutlich langsamer unterwegs und hatte nicht mehr so viel Lust – es ging ja auch bald schon bergauf. Aber mit Geduld und viel Zureden kamen wir voran.

Da beide wirklich gut mitgekommen sind, haben wir doch noch einen Stopp auf dem Spielplatz beim Sportplatzgelände eingelegt. So kamen sie tatsächlich noch in den Genuss, eine Runde zu klettern, zu rutschen und mit dem Wasser zu spielen.

Das letzte Stück unseres Heimweges war dann erneut herausfordernd. Auch diesmal war Ben derjenige, der zielstrebig seinen Weg ging. Nur vereinzelt musste ich ihn ein bisschen schieben – ging ja schließlich minimal bergauf.

Josia hingegen legte einen Abstecher zum Basketballfeld ein, wo er sich nach einer kurzen Sporteinlage sogar niederließ, um den Leuten beim Volleyball spielen zuzuschauen. Es hat ihn wenig beeindruckt, dass wir zwei weitergegangen sind. Ben hat hingegen sein Missfallen zum Ausdruck gebracht und wollte schon umkehren, um seinen Bruder zu holen. Aber ich habe ihm gesagt, dass er das nicht muss und Josia sicher bald selbst kommen würde.

So sind wir zwei gemächlich weitergegangen, aber nur so weit, dass ich Josia zumindest noch sehen konnte. Denn wer weiß, ob er nicht plötzlich wieder eine Idee hat, wo man sonst noch so hinradeln könnte. Ben wollte dann aber unbedingt heim, weil er Durst hatte. Als ich nicht weiter ging, ist er einfach allein gefahren.

In diesem Moment blieb mir erneut nur der Griff zum Handy. Ich bat Romy, mit dem Rad plus Anhänger zu uns zu kommen, damit wir Josia einfach einladen und heimfahren können. Bis sie allerdings den Schlüssel fürs Rad gefunden hatte und los wollte, kam Ben schon daheim an. Und er war ganz happy, dass er der Erste war!

Also ist Romy mit ihm daheim geblieben und ich habe weiter auf Josia gewartet, der wenig später ganz unvermittelt aufgestanden ist, seinen Helm angezogen hat und mit dem Rad losgefahren ist. Ich hatte mich so weit ums Eck gestellt, dass er mich wegen all der Büsche zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nicht mehr gesehen hat. Dennoch kam er ganz selbstverständlich in meine Richtung und hatte mich wenig später bereits erreicht.

Als ich ihm gesagt habe, dass Ben schon Zuhause und damit Erster sei, legte er einen Zahn zu, so dass ich kaum mehr mit ihm Schritt halten konnte. So schnell waren wir vermutlich noch nie daheim, denn schließlich geht es auf der Strecke konstant bergauf. Daheim wurden wir herzlich von Ben begrüßt, der gleich verkünden musste, dass er der Erste war.

Merke für die Zukunft: Nie das eigene Rad zurücklassen, denn nur zu Fuß bin ich einfach zu langsam für meine Jungs!

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