Von heißen Tagen, spritzigen Badestunden, gewittrigen Momenten und unterbrochenen Nächten

Der Sommer kam über Nacht. Gestern sind meine Kinder gefühlt noch mit der Winterjacke aus dem Haus und heute braucht man nur noch T-Shirt und Sonnenhut. Da der Mai alles andere als bilderbuchreif war und ich an vielen Tagen eher den Eindruck hatte, wir befinden uns schon mitten im Herbst, hat mich der Sommer tatsächlich ein kleines bisschen überrumpelt.

Das zweite Wochenende im Juni war meine Warmlaufphase für die nächste längere Etappe ohne Ha-Di. Als die großen Kinder am Freitag aus der Schule kamen, sind mein Mann und die drei Mädels zu einem Jugendcamp in Richtung Norden aufgebrochen.

Die vier hatten einen eine sehr erlebnisreiche Zeit. Mein Hausstand hat sich am Samstagabend dann noch weiter reduziert, da Joel über Nacht zu einem Freund ausgewandert ist. Davor hatten die Jungs noch für ordentlichen Wellengang im Pool gesorgt.

Auch Josia und Benjamin sind seit Anfang Juni regelmäßig im Pool. Ben hat im Gegensatz zu Josia eine gewisse Aufwärmphase benötigt. Aber nach vorsichtiger Heranführung und mit der passenden Ausrüstung genießt er seither die neu gewonnene Freiheit sichtlich.

Josia scheint trotz der langen Abstinenz schwimmtechnisch nichts verlernt zu haben. Er besteht zwar weiterhin auf prall gefüllte Schwimmflügel und seinen geliebten Schwimmgürtel. Dabei macht er so professionelle Schwimmbewegungen, dass er auch ohne diese Hilfen problemlos auskommen würde.

Der Snack nach dem Baden ist mindestens so wichtig, wie das Baden selbst!

Außer den unzähligen Badestunden waren wir an diesem Wochenende noch in der Bücherei, im Schuhladen (dringender Bedarf an Sport- und Sommerschuhe für Josia) und am Sonntagvormittag zum Mini-Ausflug auf dem Killesberg in Stuttgart.

Wir hatten auch ein kleines Picknick im Gepäck verstaut, was Josia immer ganz selig macht. Wäre es nach ihm gegangen, hätten wir direkt nach der Ankunft auf dem Spielplatz die Decke ausbreiten und essen müssen. Der große und vielseitige Spielplatz hat ihn dann aber schnell von dieser Idee abgelenkt. In der ersten Stunde war es noch gut überschaubar, aber dann bevölkerte es sich rasant.

Wir sind natürlich noch kurz bei den Ponys vorbei; streicheln und etwas füttern. Und dank der Aussicht, dass es Zuhause nach dem Mittagessen eine kleinen Kinderfilm zu schauen gab, ließen sich beide Jungs problemlos zum Aufbruch bewegen.

Die Reisenden kamen am Sonntagabend kurz nach 21.30 Uhr wohlbehalten und glücklich daheim an. Und nur wenig später befanden sich alle vier im erfrischenden Nass.

Josia hat sich sehr über die Rückkehr seines Papas gefreut. Aber seine Anwesenheit war nur ein kurzes Gastspiel. Bevor die Kinder sich am Montag auf den Weg zur Schule gemacht haben, hat er sich von ihnen verabschiedet. Sein Vormittag war geprägt von einen wichtigen Online-Meeting, letzten Gepäck-Optimierungsversuchen und der Abholung des Mietwagens. Und kurz nach 12 Uhr ging es für ihn los in Richtung Frankfurt.

Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon drei ziemlich kurze und mehrfach unterbrochene Nächte hinter mir. Seine Flugnacht entwickelte sich dann zu der bislang heftigsten Nacht dieser „Alleinphase“. Der Start stand bereits unter einem fragwürdigen Umstand, denn Josia hatte sich in den Kopf gesetzt, dass er nun in Papas Bett schläft, wenn dieser wegfliegt. Es ist ja schließlich frei! Naja, manchmal kann das sogar gut gehen. Also habe ich ihn dort gelassen, wo er es sich schon sichtlich bequem gemacht hatte. Er ist relativ zügig eingeschlafen, kurz gefolgt von Ben, der ausnahmsweise nicht in meinem Arm, sondern in seinem Bettchen einschlafen wollte.

Als ich mich dann knapp zwei Stunden später zum Schlafen bereit gemacht habe, zeigte sich Josia schon ziemlich unruhig. Leider hat sich dieses Verhalten ungehalten fortgesetzt, so dass er mich immer und immer wieder kurz vor dem Einschlafen aufgeschreckt hat. Um Mitternacht war meine Geduld dann zu Ende und ich habe ihn in sein Bett gebracht. Fand er zwar erst etwas doof. Aber ich konnte einfach nicht mehr.

Lange währte die Ruhe allerdings nicht, denn Ben kam gegen 2.20 Uhr zu mir ins Bett gekrabbelt und wollte Nähe haben. Er hat sofort weitergeschlafen, bei mir hat´s etwas gebraucht. Gut eine Stunde später riss mich Josias lautes Rufen aus dem Schlaf. Ich wankte zu ihm, hab ihn beruhigt und zum Weiterschlafen aufgefordert. Es dauerte keine 45 Minuten, ich dämmere gerade so weg, als er wieder laut nach mir gerufen hat.

Zu diesem Zeitpunkt wollte er sich nicht mehr hinlegen und nicht mehr in seinem Bett bleiben. Und ich war einfach total durch! Also habe ich ihn doch wieder in Ha-Dis Bett gelegt. In meinem lag ja immer noch Ben. Ich war in diesem Moment innerlich viel zu aufgebracht fürs Bett, weil sich vor mir der riesige Berg von weiteren 15 Nächten ohne die Hilfe meines Mannes auftürmte. Ein ganzes Himalaya Gebirge erstreckte sich da plötzlich vor meinem inneren Auge! Und ich habe mich gefragt, warum ich mich eigentlich immer wieder auf sowas einlasse?!? Wochenlang alleinerziehend sein!?! Die Tage sind schon lang und herausfordernd, aber die Nächte mit einem Kind, dass seit Monaten wieder ziemlich unterbrochen schläft und dazu noch jeden Morgen vorzugsweise zwischen 5 und 5.30 Uhr aufstehen will, gehen bei mir absolut an die Substanz. Und es ist leider nicht der Fall, dass ich davon noch im Übermaß vorzuweisen habe… oder etwa doch?

Ich fühlte vor allem Müdigkeit und Erschöpfung – und zwar bis ganz tief innen. Seit einem Jahr keinen Urlaub mehr gehabt zu haben, trägt noch seinen Teil dazu bei. Ebenso wie diese ganzen Corona-Umstände mit all seinen besonderen Auswüchsen und zusätzlichen Anstrengungen.

Es war also nicht nur außen, sondern auch in mir drinnen ziemlich dunkel und trostlos. Nachdem ich eine Runde geweint hatte, bin ich wieder zurück in mein Bett gekrochen. Ich hatte die Jungs zwar nur wenige Minuten allein gelassen, aber Josia hatte wohl Ben geweckt und ich traf auf zwei Jungs, die sich munter unterhielten und amüsierten. Ben hatte sogar seinen Schlafsack ausgezogen!

Sie sind beide erstaunlich schnell wieder eingeschlafen. Nur ich lag noch eine ganze Weile wach zwischen den beiden.

Seit Beginn der Woche haben die Temperaturen spürbar zugelegt. Jeden Tag wurde es ein bisschen heißer und irgendwann folgten leider auch die Nächte. Ab Donnerstag war es für meine Verhältnis dann zu viel der Hitze. Wenn die 30 Grad Marken schon am Vormittag überschritten wird und die Luft steht, dann erinnert das tatsächlich ein bisschen an Sansibar. Draußen spielen geht unter diesen Bedingungen erst am späten Nachmittag oder wenn man sich irgendwo ein zuverlässig schattiges Plätzchen sucht. Selbst im Pool waren wir nicht vor 15.30 Uhr, weil die Sonne so vom Himmel gestochen hat.

Hitze und Trockenheit sind auch für einen Garten nur dann ok, wenn man sich um eine zuverlässige Bewässerung kümmert. Bei uns ist diese derzeit nur via Gießkanne gewährleistet. Und so sind Nasya und ich am Montagabend noch für gute eineinhalb Stunden „arbeiten“ gegangen. Es war nicht nur Wasserbedarf angemeldet, sondern auch üppiger Krautwuchs von Unerwünschtem. Also erst mal tüchtig jäten, bevor wir noch einige Beeren ernten konnten. Am Mittwoch bin ich direkt nach dem Frühstück mit Ben im Schlepptau losgezogen. Der wollte allerdings lieber im Auto verweilen und der Paw Patrol zuhören, als mir im Garten Gesellschaft zu leisten. Also habe ich allein ein paar Beeren geerntet und einige Wasserladungen auf den Feldern verteilt. Am Abend ist Nasya nochmal allein losgezogen, um ein zweites Mal zu gießen. Ich hatte an diesem Abend nämlich ein Online-Meeting.

Außerdem stand für mich am Mittwoch noch ein online Elterngespräch mit Josias Klassenlehrerin an. Und kurz danach mussten wir zum Kinderarzt düsen, da Annelie eine Impfung anstehen hatte. Während sie sich ihren Piks abgeholt hat, durften die zwei Jungs mit mir im heißen Auto schmoren. Zum Glück ging es flott.

Zwischendurch flatterten vereinzelt Badegäste in unseren Garten. Meine jüngste Schwester war mit ihrer Familie zwei Mal da, meine Schwägerin mit ihren zwei Kids ebenfalls und dann natürlich noch manche Freunde der großen Kinder. Ja, so langsam nimmt der Badebetrieb richtig Fahrt auf.

Ansonsten läuft überraschend viel Alltag bei uns mit Schulbetrieb nach Stundenplan und ersten Vereinsaktivitäten für einen Teil der Kinder. Ben freut sich, dass er seit der zweiten Juniwoche wieder in die Spielstube gehen darf. Er besteht mit Nachdruck darauf, mit seinem eigenen Rad zu fahren und dabei auch seinen Rucksack selbst zu tragen. Schließlich ist er ein großer Junge!

Nebenbei bekümmere ich Wäsche, Haushalt, Einkäufe und sonstigen Klein- und Großkram. Und wenn Ben daheim ist, will er immer bei allem fleißig mithelfen. Auch bei Josias Hausaufgaben hat er die Nase vorne dabei bzw. die Finger immer mittendrin.

Ein äußerst seltener Anblick, der nur für einen kurzen Moment währt

Zwischendurch habe ich zwei kleine Geschenk-Kisten gepackt. Naja, die eine habe ich nur gekauft und mit einem Geschenk bestückt. Die restlichen Geschenke kamen von den Mamas aus unserer Frauenfrühstücksgruppe. Auch wenn wir uns derzeit noch nicht treffen können, so behalten wir dennoch wertvolle Traditionen bei, wie z.B. das Füllen einer Überraschungskiste mit kleinen Aufmerksamkeiten für eine werdende Mama.

Sichtbarer Ausdruck meiner Wertschätzung für ein großartiges Arbeitsteam

Für Freitag hatte Romy Übernachtungspläne angedacht. Da man sich endlich wieder mit mehr als nur einer weiteren Person treffen kann, wollten sie diese Gelegenheit direkt nutzen und mit ihren Schulfreundinnen hier nächtigen. Sie waren am Nachmittag noch gemeinsam in Stuttgart einkaufen und haben anschließend den heißen Tag im Pool ausklingen lassen. Danach folgten warme Sandwiches und Chips mit einem spannenden Film und die Mädels waren einfach glücklich. Am Samstag wurde nochmals ausgiebig gebadet und Eiskaffee geschlürft, bevor es schließlich für alle nach Hause ging.

Als ich am späten Samstagvormittag meinen Hausputz durch hatte, entsprach mein Schwitz- und Erschöpfungsstatus dem einer guten Stunde Powersport. Und dann war noch nicht mal was gekocht!

Essen für heiße Tage…

Der zunehmenden Hitze folgte schließlich das ein oder andere Gewitter. Sie kamen bevorzugt bei Nacht bzw. in den Abendstunden und waren zum Glück nicht unwetterartig. Der Regen war bitter nötig und die Abkühlung sehr willkommen, auch wenn sie nur von kurzer Dauer war.

Meine Stimmung hatte zeitweise ebenfalls gewittrige Einfärbungen, da Hitze und Schlafmangel nicht gerade wohlwollend zu meinem inneren Gleichgewicht beigesteuert haben. Und wenn sich dann aus heiterem Himmel ein zwischenmenschlicher Konflikt mit gewaltigem Donner über einem entlädt, kann es auch mir kurzfristig den Boden unter den Füßen wegziehen. Ich merke deutlich, dass mir für manche Dinge im Augenblick einfach die Ruhe und Kraft fehlen!

Auch am zweiten Sonntag bin ich mit den kleinen Jungs schon vormittags unterwegs gewesen, während ein Teil der Familie in den Gottesdienst besucht hat. Wir haben zwei unterschiedliche Spielplätze angesteuert, wobei der mit dem Wasser erst an zweiter Stelle kam. Anfangs war es nämlich noch frisch mit all den Wolken und dem Wind. Aber als sich die Bewölkung langsam lichtete, stand dem Wasser-Sand-Spaß nichts mehr im Weg. Und da Romy sich an diesem Tag ganz spontan ums Mittagessen gekümmert hat, konnten wir sogar bis 13 Uhr auf dem Spielplatz unbekümmert unseren Spaß haben.

An diesem Nachmittag sollte eine Taufe in unserem Garten vonstattengehen. Somit galt es noch gewisse Vorbereitungen zu treffen. Joel und Nasya haben sich unmittelbar nach dem Mittagessen um den Aufbau eines kleinen Podests im Wasser bemüht – was gar nicht so einfach war. Aber es ist gut geworden und hat anschließend auch zuverlässige Dienste getan.

Ich habe mich mit meinen Jungs längere Zeit im Wohnzimmer beschäftigt. Und erst als sich der Garten wieder geleert hatte, ging es für die Kinder noch in den Pool. Joel hat zügig alle Steine und Paletten aus dem Wasser geborgen und ich konnte die Sachen wieder im Garten entsprechend aufräumen.

Nun starten wir in Woche zwei ohne Papa. Dank Gewitter und Regen ist es heute überraschend kühl. Ich hoffe, dass diese Woche nicht so regenreich wird, wie es die WetterApp aktuell noch verheißt. Das wäre dann absolutes Kontrastprogramm zur Vorwoche.

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