Das Virus geht um

Der März bescherte uns eine erneute Krankheitswelle. Kaum waren die Faschingsferien rum, lag Ha-Di mit Kopfweh, Erkältung und etwas erhöhter Temperatur im Bett. Er hat sich ziemlich schlapp gefühlt und war natürlich direkt besorgt, dass er sich vielleicht DAS VIRUS eingefangen haben könnte. Schließlich war er gut eine Woche zuvor noch durch die Weltgeschichte geflogen. Er hat sein Glück auch bei der offiziellen Hotline versucht. Aber da war erst Dauer-Warteschleife und als er nach dem x-ten Versuch mal jemanden am Hörer hatte, wurden seine Symptome als nicht passend abgetan.

Eine Woche später hatte sich Josias Zustand soweit verschlechtert – er hatte schon einige Zeit ein bisschen Husten -, dass Ha-Di mit ihm am Montagnachmittag zum Kinderarzt ist. Das Blutbild sprach für eine bakterielle Infektion und er bekam Antibiotika verschrieben. Dank diesem ging es ihm schon kurze Zeit später deutlich besser. Eine Augenentzündung hat sich auch noch dazu gesellt, und beides wanderte recht zügig zum kleinen Bruder weiter. Annelie hat sich vorerst nur die Augenentzündung abgeholt. Und so waren am Dienstag bereits 3 von sechs Kindern daheim, als ich mit meiner Freundin von unserer kleinen Auszeit im Allgäu zurückkam.

Ha-Di hat sich ab Mittwoch dann auch wieder überwiegend ins Bett zurückgezogen, weil es ihm erneut nicht gut ging. Der konstante Schlafmangel bremst das Immunsystem in solchen Zeiten glaub ebenfalls ziemlich aus. Diesmal erstreckte sich das krank sein über gut eine Woche. Er war schlapp und hatte dazu noch ziemliche Halsschmerzen.

Bei Joel ging es wie schon öfter an einem Donnerstag los. Auch er hatte Kopfschmerzen und leichte Anzeichen einer Erkältung. Zum Abend hin kam sogar Fieber dazu. Aber bereits ab Freitag ging es bei ihm schon wieder sichtlich aufwärts, und er hat sich kaum mehr krank gefühlt.

Nachdem der Husten bei Benjamin Freitagnacht deutlich heftiger wurde, die Sauerstoffsättigung sichtlich nach unten ging und er auch noch Fieber bekommen hatte, habe ich mich unmittelbar nach dem Frühstück mit ihm auf den Weg ins Ludwigsburger Krankenhaus gemacht. Dort war ich dann unmittelbar mit den sichtbaren Corona-Maßnahmen konfrontiert, denn das Klinikum präsentierte sich ziemlich abgeriegelt. Überall waren Hinweisschilder, Absperrungen und deutliche Wegweiser für Corona-Testung angebracht. Der große Haupteingang war verschlossen und nur eine normale Türe daneben stand offen, allerdings mit Wachposten davor. Ich kam aber problemlos durch, weil ich zur Kinderambulanz wollte. Mit krankem Kind im Arm ein offenkundiges Anliegen.

Wir konnten sofort in eines der Behandlungszimmer gehen und nur wenige Minuten später kam eine bekannte Ärztin ins Zimmer, die ich von unserer Kinderarztpraxis her kenne. Und sie kannte auch uns. Das war dann quasi Heimspiel und echt beruhigend für mich. Sie hat Benjamin kurz abgehört und angeschaut. Auch die Sauerstoffsättigung wurde kontrolliert – und hielt sich zum Glück über 95%. Mit der Geschichte von Josia im Hintergrund war für sie der Griff zum Antibiotika naheliegend und in diesem Zusammenhang sicherlich sinnvoll. Allerdings war Ben von diesem bitteren Zeug alles andere als begeistert. Aber was muss, das muss…

Am Samstagabend ging es dann bei mir los. Mein Hals hat sich unangenehm bemerkbar gemacht und ich war wirklich sehr erschöpft. Ab Sonntag verschwand meine Stimme fast vollständig, ich war unglaublich müde und fühlte mich auch von den Beinen her schlapp. Aber da ich ja bereits einige Tage in Folge sehr wenig Schlaf hatte, hat mich dieser Zustand nicht so sehr verwundert. Es waren wohl einfach zu viele schlechte Nächte für mich gewesen, da Ben infolge seines Infektes und dem teils hohen Fieber unruhig und mit vielen Unterbrechungen geschlafen hat.

Am Montag bin ich dann erneut zum Kinderarzt mit Ben, weil sein Husten unserer Einschätzung nach schlimmer geworden war. Dort wurde zur Sicherheit doch noch ein Bluttest gemacht. Die Ärztin meinte, dass wir mit dem Medikament richtig liegen würden und nun einfach abwarten müssten. Zusätzlich inhalieren, gerne mit Salbutanol um die Luftwege etwas zu weiten. Und dann eben abwarten. Kennen wir ja alles von Josia. Und so durfte auch Ben zeitweise inhalieren. Begeistert war er allerdings nicht wirklich, aber immerhin wurde es langsam besser. Er fieberte nur noch selten und wenn, nicht mehr ganz so hoch. Selbst das Einflößen des Antibiotikums klappte nach einigen Tagen ohne großen Protest. Nur noch der leidende Blick zeugte davon, dass er nicht glücklich über sein Schicksal war.

Leider hat sich Josia ab Dienstagnachmittag wieder mit Fieber eingereiht, und das obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch unter Antibiotika stand. Also ging es für uns am Mittwoch schon wieder zum Arzt. Ihm wurde erneut Blut abgenommen, aber nichts deutete darauf hin, als gäbe es einen Zusammenhang mit dem anderen Infekt. Es hatte ja auch eine sichtliche Verbesserung nach wenigen Tagen gegeben und er war anschließend für einige Zeit fast symptomfrei. Naja, bis auf den Husten eben. Der war nicht weg bzw. wurde genau genommen fast heftiger. Von da an folgten einige Tage, an denen Josia immer gegen 16.30-17 Uhr Fieber bekam. Zeitweise ging es auch richtig hoch und er hing nur noch rum oder hat sogar geschlafen.

… und da schlafen plötzlich beide

Parallel dazu zog die Augenentzündungen weiter ihre Kreise. Romy hatte schon einige Wochen zuvor eine gehabt und legte nun die zweite Runde ein. Auch Ha-Di war inzwischen mit rotem Auge unterwegs und an mir ging es ebenfalls nicht ganz spurlos vorbei. Dafür hatte ich einfach zu oft und zu nah Kontakt mit den zwei Kleinen, die es eben beide hatten.

Immerhin ging es mit meiner Stimme langsam aufwärts. Aber mein Geruchs- und Geschmackssinn war für einige Tage komplett weg. Es war so krass, dass ich noch nicht einmal die Stinke-Windeln meiner Jungs wahrgenommen habe! Diesen Aspekt fand ich ehrlich gesagt recht angenehm. Aber Essen kochen ohne Riechen und Schmecken ist selbst für eine erfahrene Hausfrau kaum möglich. Ich habe mir dann einen Vorkoster gesucht, denn nur nach Gefühl geht eben nicht immer auf. Zum Glück kam alles nach einigen Tagen langsam, aber sicher wieder.

Irgendwann zwischen all dem waren auch Romy und Annelie noch ein paar Tage nicht ganz sich selbst. Annelie hatte es ebenfalls ein wenig an der Stimme (aber bereits vor mir), Romy war etwas eingeschränkt beim Geruch (nach mir), und beide haben sich insgesamt gesehen nicht ganz gesund gefühlt, aber auch nicht richtig krank. Bei Annelie hat sich das Ganze auf mehrere Etappen erstreckt; mal war es die Stimme, dann das Auge und dann hatte sie an einem Tag leichtes Fieber. Ehrlich gesagt habe ich nicht mehr über alles genau Buch geführt und deshalb ein wenig den Überblick verloren. Irgendwann musste ich ja noch nicht einmal mehr Entschuldigungen schreiben – dank Homeschooling.

Nun aber zurück zu Josia, denn sein Zustand wanderte ab dem 18.03. in den Bereich „grenzwertig“. Wir kennen das ja nun aus jahrelanger Erfahrung, dass sich bei ihm so ein Infekt ganz schnell mal auf die Lunge setzt. Dann wird seine Atmung schwerfälliger und zugleich flacher, es knistert tüchtig und die Sauerstoffsättigung ist nicht mehr ausreichend.

Früher blieb uns in so einem Moment tatsächlich nur das Krankenhaus als Option, weil Josia nicht mehr ohne Sauerstoffunterstützung schlafen konnte. Inzwischen haben wir einen Monitor für die Überwachung seiner Werte sowie ein Gerät, dass Sauerstoff anreichern kann, bei uns Zuhause. Und diese zwei Dinge wurden für die kommenden 10 Nächte zum treuen Begleiter.

Ha-Di hat sich mit der gesamten Technik im Zimmer von Josia eingenistet. Joel zog für einige Nächte ins Wohnzimmer, damit er von dem ständigen Piepsen und dumpfen Brummen der Geräte nicht gestört werden konnte. In manchen Nächten blieb für Ha-Di nicht viel Zeit zum Schlafen, da Josia sehr unruhig war, sich des Öfteren die lästige Sauerstoffbrille bzw. -maske ausgezogen hat oder sich zu sehr in all den Schläuchen verstrickt hatte. Ich habe meinem tapferen Mann zum Ausgleich einen täglichen Mittagschlaf verordnet – was natürlich nur ein kleiner Tropfen auf den müden Stein war.

Erst nach über einer Woche zeichnete sich allmählich eine Verbesserung ab. Dann folgten weitere Nächte, in denen er noch stundenweise Sauerstoffunterstützung benötigt hat. Und dann ging es endlich wieder ohne. Nur der Monitor blieb zur Sicherheit noch zwei weitere Nächte an.

Das Schlusslicht dieser extremen Krankheitswelle bildete Nasya. Ende März bekam auch sie Halsschmerzen mit leichten Erkältungssymptomen und allgemeiner Schlappheit. Aber da wir zu diesem Zeitpunkt längst im Homeschooling-Modus und ziemlich kontaktarm unterwegs waren, hat sich das nach außen hin nicht weiter bemerkbar gemacht. Sie hat sich für zwei Tage etwas mehr in ihr Zimmer zurückgezogen und viel Zeit im Bett verbracht, und dann war außer der leicht verstopften Nase recht schnell wieder alles ok.

Wir haben keine Ahnung, was da genau bei uns unterwegs war; ob wir alle das gleich hatten, oder verschiedene Dinge oder mehrere Dinge auf einmal. Who knows?! Einzig und allein die Augenentzündung ließ sich leicht als solche identifizieren. Diese hatten am Ende nämlich fast alle Familienmitglieder (nur Nasya blieb verschont) und einige sogar gleich mehrfach.

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