Und dann zog das C auch bei uns ein

Genaugenommen kränkelt es hier schon seit einigen Wochen. Ich kann gar nicht genau sagen, wann und womit es angefangen hat. Es kommt und geht wie in Wellen, und bei so vielen Leuten unter einem Dach ist tatsächlich immer irgendeiner angeschlagen. Zwischendurch war sogar das ein oder andere Kind für ein bis zwei Tage nicht in der Schule. Aber was wirklich Ernstes war nicht dabei.

Nach den Faschingsferien machte sich der Husten bei uns breit. Bei den Jüngsten ging es pünktlich zum Ferienende los und ein bisschen was kam wenig später auch bei mir an, was sich im Abgang sogar noch auf die Stimme gelegt hat. Die ganzen Tests in Schule und Kindergarten blieben aber durchweg negativ. In Anbetracht der Tatsache, dass um uns herum konstant neue Fälle im unmittelbaren Umfeld auftraten, war dies sehr erfreulich, zugleich aber auch irgendwie überraschend.

Der April hielt Einzug und dieser brachte nicht nur eine unbestellte Ladung Schnee, sondern auch unseren ersten positiven Test mit sich. Ben hatte bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein wenig gehustet. Aber den Tag über ging es ihm blendend und ich habe der Sache nicht viel Augenmerk beigemessen. In der nächsten Nacht wurde der Husten mehr und als Ben beim Aufwachen etwas viel Bettwärme ausgestrahlt hat, haben wir tatsächlich zum Test gegriffen. Was von der Idee her als Ausschlussverfahren gedacht war, bestimmte ab dann die kommenden 11 Tage.

Da lag er, der Schnelltest mit zwei Streifen! Außer Ben und uns Eltern hatten bereits alle Kinder das Haus verlassen.

Beim Anruf im Kindergarten bekam ich die Rückmeldung, dass wir heute nicht die ersten mit dieser Nachricht sind. Wenige Tage zuvor gab es einen positiven Fall bei einer Erzieherin. Und ab Freitag fegte der Sturm durch unseren Kindergarten, denn es folgten täglich neue Fälle und zum Ende der ersten Aprilwoche blieben nur noch zwei von neuen Erzieherinnen und 12 Kinder übrig. Nicht alle fehlenden Kinder waren krank, aber deutlich über die Hälfte der Einrichtung. Und die Restlichen konnten wegen Geschwisterquarantäne bzw. Personalmangel nicht kommen.

Ben ging es bis auf etwas Temperatur und einer laufenden Nase eigentlich gut. Folglich befanden wir uns direkt im „es ist langweilig daheim“ Modus, in den sich Josia unverzüglich mit einreihte, denn nur daheim sein findet er alles andere als spannend. Für ihn und zwei weitere Kinder stand nun Quarantäne auf dem Programm – wegen nicht geimpft und so. Und wären da nicht der Konfi-Abschlussgottesdienst sowie eine Afrikareise im Anmarsch gewesen, hätten wir dieser unausweichlichen Tatsache deutlich entspannter entgegentreten können.

Ja, es ist immer ein ungeschickter Zeitpunkt, wenn C kommt. Aber ganz ehrlich, für uns hätte es kaum unpassender kommen können!

Als Nasya von der Schule kam, hat sie auf dem Absatz kehrt gemacht, und ist zur Impfstelle in der Stadt geradelt, um sich schnell ihren Booster zu holen. Seit Wochen hüpft sie um diesen Termin herum. Aber ihre Sorgen bezüglich eines eventuellen Ausfalls wegen möglicher Nebenwirkungen wogen hinsichtlich ihres vollen Terminkalenders größer als der Ansporn, es endlich hinter sich zu bringen.

Nach und nach kamen die restlichen Kinder heim und sie nahmen die Nachricht überraschend gut auf. Eine Isolation des Erkrankten stand für uns nicht zur Debatte, sonst hätte ich mich mit ihm isolieren müssen bzw. alle, die oben wohnen, konstant oben bleiben müssen oder so ähnlich. Aber genau genommen war die Ansteckung weiterer Familienmitglieder vermutlich schon längst erfolgt, denn Ben ist sehr zuverlässig und regelmäßig in aller Hände. Also lief unser Alltag fast uneingeschränkt weiter, eben ohne Außentermine und Ausgang für einen Teil der Familie.

Nur leider standen da gewisse Termine in unserem Kalender, die sich nicht einfach so verschieben ließen; allen voran der Abschlussgottesdienst von Joels Konfi-Jahrgang. Nach etlichen Telefonaten mit unterschiedlichen Personen stand der Plan, dass Joel online dabei sein kann. Von da ab wurde alles in die Wege geleitet, um diese Idee wahrwerden zu lassen.

Der Sonntag kam und Joel ließ sich um kurz vor 10 Uhr gemeinsam mit seinem Vater im oberen Esszimmer vor mehreren Bildschirmen nieder. Ich sollte noch erwähnen, dass wir es vorab sogar geschafft haben, auf die Schnelle ein paar Familienbilder im leicht verschneiten Garten zu machen. Abschluss bleibt schließlich Abschluss. Da ist es ganz gleich, wie dieser Tag nun im Detail ablaufen würde!

Ich habe keine Ahnung, auf welchen Plattformen meine zwei Herren in den kommenden zwei Stunden unterwegs waren. Eine zentrale Rolle spielte ein Tablet, über welches Joel so unmittelbar anwesend sein konnte, wie es auf diesem Weg eben möglich ist. Er hat über diese Anrufschaltung sogar planmäßig seinen Auftritt absolvieren. Dafür wurde sein Bild über den Beamer an die Leinwand geworfen.

Parallel dazu haben wir uns den offiziellen Livestream angeschaut. Die beiden Herren oben, die restliche Familie über den Fernseher im Wohnzimmer, wo die kleinen Jungs mit ihrer Aktivität nicht störend in die Zuschaltung hineinfunken konnten.

Während der Segnung habe ich mich kurzzeitig zu den Männern gesellt. Wir waren über das Tablet mit Joels Gebetspaten im Anruf, während unser Live-Bild von diesem Anruf für alle sichtbar auf die Leinwand projiziert wurde. Und zeitgleich hat uns ein Freund über sein Handy via Whatsapp Videoanruf an den Ort des Geschehens geholt.

Da der Livestream etwas zeitversetzt lief, war ich noch voll im Bilde, als ich wieder zum Rest der Familie ins Wohnzimmer trat. Das hat für besonderes Aufstehen bei Josia und Ben gesorgt, die es ziemlich witzig fanden, mich im Fernseher und hier direkt vor ihnen zu sehen.

Nach dem Gottesdienst durfte sich Joel aussuchen, wo wir unser Mittagessen bestellen. Und den Nachmittag haben wir uns mit Schokokuchen und Eis versüßt. Außer diesen Turmbau-Bildern gibt es sonst keine weitere Dokumentation des Tages.

Durch seine Quarantäne hat Joel auch den Ausflug mit seiner Konfi-Gruppe nach Tripsdrill verpasst. Trotz der kühlen Temperaturen haben die Teens ihren freien Montag mit wilden Achterbahnfahrten verbracht. Und genau an diesem Tag schlug das C bei Joel und Annelie zu. Ganz plötzlich lagen beide flach und haben sich freiwillig in ihre Betten verzogen, wo sie für die kommenden eineinhalb Tage den Großteil ihrer Zeit verbracht haben. Fieber und zum Teil heftige Kopf- und Gliederschmerzen gesellten sich zu ihnen. Vor allem Annelie hatte ziemliche Schmerzen und wollte einfach nur ihre Ruhe haben. Etwas verschnupft und leichtes Halskratzen verspürte sie schon am Sonntagnachmittag. Aber ihr Schnelltest war zu diesem Zeitpunkt noch negativ gewesen.

Nun präsentierte sich bei beiden Kindern der Doppelstrich. Und schon am Tag darauf war dies auch bei Romy und Nasya der Fall. Damit war klar, dass Romy an diesem Spätnachmittag nicht wie geplant mit ihrem Papa in den Flieger nach Sansibar steigen kann. Was mit viel Aufwand und umfangreichen Absprachen fein säuberlich eingefädelt worden war, schien sich nun in letzter Sekunde in Wohlgefallen aufzulösen.

An dieser Stelle schiebe ich ein paar kurze Sätze fürs bessere Verständnis ein. Normalerweise findet an unserem Gymnasium in Klasse 10 ein Praktikum zur Berufsorientierung statt. Dieses einwöchige Praktikum gab es für Romy aber nicht, weil es wegen C im vergangenen Frühjahr kurzfristig vom Plan gestrichen werden musste. Irgendwann keimte bei mir der Gedanke auf, dass Romy ihr verpasstes Praktikum vielleicht auf Sansibar nachholen könnte. Romy fand den Vorschlag super und hat sich ihrerseits um die umfangreiche Abklärung mit ihrer Schule bemüht, während Ha-Di seine Kontakte ins Spiel gebracht und ein passendes Hotel auf Sansibar ausfindig gemacht hat. Als sowohl Ha-Dis vielseitige Termine sowie die benötigte Beurlaubung inklusive Verschiebung diverser Klassenarbeiten geregelt waren, konnte Ha-Di die Flüge buchen.

Und nun standen wir da und hatten erneut große Fragezeichen vor unseren inneren Augen! Sollten wir wirklich alles absagen? Oder sollte zumindest Ha-Di nach Plan reisen? Aber das wäre dann vermutlich das Aus für Romys geplantes Praktikum, denn dieses irgendwie zu einem späteren Zeitpunkt zeitlich unterbringen zu können, ist äußerst unwahrscheinlich. Oder die gesamte Reise einige Tage nach hinten rücken? Das würde allerdings bedeuten, dass sie sich dann über die gesamten Osterferien erstrecken würde und dass Romy erneut mit der Schule Absprache halten müsste, weil ihre Beurlaubung in diesem Fall über die Osterferien hinaus reichen müsste.

Hier war definitiv zu viel Konjunktiv im Umlauf!

Ha-Di verschanzte sich hinter seinem Laptop und führte nebenbei noch etliche Telefonate. Die Flüge mussten unverzüglich storniert bzw. verschoben werden. Letztlich hat er neue Flüge für Sonntag gebucht, mit der Option, diese notfalls auch wieder stornieren zu können. Romy hat zeitgleich den Kontakt zur Schule aufgenommen und die Anfrage für die Verschiebung ihrer Beurlaubung gestellt. Ich musste in den kommenden Tagen zweimal an die Schule radeln, um die Entschuldigungen der beiden Mädels sowie den neuen Beurlaubungsantrag einzureichen. Aber zum Glück befindet sich diese Schule ja vor Ort!

Dieser ganze Wirbel hatte für uns Déjà-vu Charakter, denn bei Ha-Di letzter Reise im Februar waberte ebenfalls tagelang die Ungewissheit umher und er mussten mehrfache Anpassungen vornehmen.

Auch sonst gab es wenig Gelegenheit für Langeweile in unseren vier Wänden. Den Samstag haben wir direkt genutzt, um kleine, farbliche Ausbesserungen in den künftigen Zimmern von Joel und Annelie vorzunehmen.

Josia war anfangs fest davon überzeugt, dass er nun ins das neue Zimmer einziehen wird

Außerdem wurden Betten abgebaut bzw. umgezogen, ein neu gebrauchtes Bett hielt Einzug und diverse Möbelstücke wanderten von A nach B. Vor allem Joel und Annelie hatten einiges zu tun, da sie ihre Habseligkeiten durchsortieren und anschließend im neuen Zimmer entsprechend verräumen mussten.

Während oben noch fleißig gewerkelt wurde, hat sich Ha-Di unter der fachkundigen Assistenz der kleinen Jungs um Joels Rad gekümmert. Da war was an der Schaltung abgebrochen.

Auch im Zimmer der zwei Jüngsten mussten noch ein paar Veränderungen vorgenommen werden, um das große Bett für Ben bezugsbereit zu machen. Schließlich bringt so ein Stockbett für ein Kind mit dreieinhalb Jahren gewisse Herausforderungen mit sich und sollte entsprechend gesichert sein.

Und dann gab es da noch ganz außergewöhnlich viel Spiel-Zeit…

Am Samstag war der Großteil der Familie vom Gefühl her wieder fit, nur die Schnupfnasen sind noch vor sich hergelaufen. Mein Mann hat sich unter Mithilfe der kleinen Jungs um den Aufbau eines Lastenrades bemüht. Das tolle Teil gehört nicht uns, sondern meiner jüngsten Schwester. Aber da sie mitten in der Stadt wohnt und dort weder über ausreichend Platz noch das notwendige Handwerkzeug verfügen, haben sie die wertvolle Fracht zu uns liefern lassen. Eine Aufbauanleitung war leider nicht dabei. Aber mein Mann hat sich wirklich tapfer geschlagen und einige Stunden später konnte die ersehnte erste Probefahrt stattfinden. Ich muss nicht erwähnen, dass die Jungs das Teil liebend gerne als ihr Eigentum in Besitz genommen hätten!

Entgegen unserer Erwartung fiel Romys Schnelltest am Sonntagmorgen tatsächlich negativ aus. Dabei war sie am Vortag noch deutlich positiv gewesen und hatte sich daraufhin das volle Programm mit inhalieren, Ingwershottrink und Nasenspülung reingezogen. Ich muss sagen, der Aufwand hat sich gelohnt! Endlich stand der großen Reise nichts mehr im Weg, denn auch Ha-Dis Test war negativ.

Die Koffer waren schon seit Tagen weitestgehend gepackt. Ha-Di hatte am Samstagnachmittag seinen Mietwagen geholt und so zogen die beiden erleichtert und voll Vorfreude nach dem Mittagessen von dannen.

Wir haben bei uns noch ein wenig Ostern einziehen lassen. Ben und Josia wollten das selbst in die Hand nehmen, was sie in ihrem Zimmer dann auch machen durften. Die Fenster im Wohn- und Esszimmer habe ich allein beklebt.

Die neue Woche startet mit dem Besuch beim Testzentrum. Leider war nur eins der drei mitgebrachten Kinder negativ. Ben konnte also wieder in den Kindergarten gehen und die zwei anderen kamen mit mir zurück nach Hause. Aber bereits am Nachmittag, als ich mit Joel zum Freitesten gefahren bin, hat sich Annelie noch angeschlossen und beide Tests waren negativ. An ihrer Schule fand an Montagabend nämlich ein Frühlingsfest statt – Ersatz für die ausgefallenen Weihnachtsfeier. Nun konnte sie mit gutem Gewissen und negativem Testergebnis zu ihrer Freundin gehen, wo sie sich für den Abend schick gemacht haben.

Am Dienstag besuchten drei Kinder die Schule. Nur Josia blieb mir erhalten und wir haben am Vormittag neben dem offiziellen Testtermin noch eine kleine Rundfahrt durch die Teilorte von Ditzingen unternommen. Ziel unseres Ausfluges war die Lösung eines Bilderrätsels. Nebenbei eröffnete unsere Suche noch die Gelegenheit, die verschiedenen Ostergärten an den Kirchen zu besichtigen. Josia hat sich vor allem über die Sachen gefreut, die es an einzelnen Stellen zum Mitnehmen gab. Und das Rätsel selbst hatten wir am Ende tatsächlich erfolgreich gelöst. Nun hoffen wir, dass sich der Aufwand auch gelohnt hat und wir mindestens zwei der begehrten Tripsdrillkarten gewinnen werden.

Ach, Josias Test fiel an diesem Vormittag tatsächlich negativ aus, auch wenn seine Nase noch ziemlich vom Rotz bevölkert ist. Nur leider ist heute schon sein letzter Schultag vor den Osterferien gewesen. Folglich hat Josia nun quasi drei Wochen Osterferien, von welchen knapp eineinhalb bereits hinter uns liegen. Langweilig ist es dem Kerlchen schon seit Tag zwei oder so… aber man kann sich´ s ja nicht aussuchen!

Immerhin sind wir nun ganz offiziell fertig mit C – zumindest für den Moment.

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